Nach Jahren mit schwebenden Fenstern auf dem Desktop in Xfce, KDE Plasma, Cinnamon und Gnome sind Linux-Desktops mit Tiling-Windows, also gekachelten Fenstern, für mich noch ungewohnt. Mein erster Anlauf war Cosmic-Desktop, der aber noch recht jung ist und in einigen Dingen auf einem Dual-Monitor-Setup patzt. Seit ein paar Wochen teste ich Niri und finde langsam gefallen am Kachelprinzip.
Schwebend? Gekachelt?
Schwebende Fenster sind das, was man von Windows und den meisten großen Linux-Desktops kennt. Bedient wird so ein Desktop hauptsächlich mit der Maus, die Fenster lassen sich hin- und herschieben, minimieren und maximieren. Und mit Tastenkürzeln kann ich Fenster zum Beispiel auch auf der linken oder rechten Bildschirmhälfte platzieren.


Der Cosmic-Desktop von System76 macht das auch so, hat aber auch noch einen Tiling-Modus. In diesen umgeschaltet, schiebt Cosmic Fenster automatisch in ein Raster, so dass sie etwa den halben Bildschirm, ein Viertel, oder gar nur ein Achtel einnehmen. Kommt ein neues Fenster dazu, wird automatisch umsortiert. Mit der Maus oder mit Tastenkürzeln kann man dann Fenster im Raster verschieben. Schön an Cosmic ist, dass er beides kann. Über ein Panel-Applet kann ich schnell zwischen den beiden Modi umschalten. Wie ich Cosmic unter CachyOS installiert habe, beschreibt ein anderer Blogbeitrag.

Wozu ist das gut?
Früher dachte ich immer, Tiling-Windows sind nur was für Programmierer:innen. Links das Fenster mit dem Code, rechts die Dokumentation oder so ähnlich. Doch ich arbeite oft ganz ähnlich. Auf der einen Seite ein Programm, das ich teste und rechts daneben Obsidian, um einen Text zu schreiben oder ich lese im Internet und mache mir rechts daneben Notizen. Unter Xfce habe ich mir vor Jahren schon ein Tastenkürzel definiert, um schnell die Fenster links und rechts nebeneinander anzuordnen.
Wenn man einen richtig großen Monitor hat, lässt sich der Platz mit gekachelten Fenstern besser nutzen. Meiner hat allerdings nur WQHD, also 2560×1440 Pixel, da ist das kein Thema.
Wer seinen Desktop am liebsten mit der Tastatur bedient, dürfte an gekachelten Fenstern ebenfalls seine Freude haben. Schnell von Fenster zu Fenster springen, zack eins nach links oder rechts schieben, zu einer anderen Arbeitsfläche hüpfen oder mal schnell drei Fenster übereinander sehen. Wer sich die Tastenkürzel mal gemerkt hat, ist deutlich schneller als mit der Maus.
Niri: Scrollender Tiling-Wayland-Compositor
Wie Cosmic setzt auch Niri auf Wayland, will aber keine umfangreiche Desktop-Umgebung sein. Seit ein paar Wochen verwende ich Niri auf verschiedenen Rechnern und versuche, mich an die Bedienung zu gewöhnen. Die Tastenkürzel sind nicht schwierig, aber es hat doch eine Weile gedauert, bis es sich nicht mehr komisch angefühlt hat. Inzwischen klappt das ganz gut und ich mag das Konzept.
Niri handhabt gekachelte Fenster etwas anders als Cosmic: Die Fenster landen nebeneinander in einer endlosen Reihe, durch die ich dann scrollen kann. Auch auf einem kleinen Notebook-Display kann ich auf diese Weise viele Fenster offen haben und schnell zwischen diesen wechseln. Mit einer Desktop-Shell sieht Niri noch dazu richtig gut aus.

Niri ist ziemlich minimalistisch und bringt selbst nicht mal ein Panel oder ein Anwendungsmenü mit, einen grafischen Konfigurationsdialog sowieso nicht. Wer das haben möchte (und ich gehöre dazu), kann Niri mit einer Desktop-Shell verwenden. Mehr dazu ein anderes Mal.
Welchen Desktop verwendet Ihr? Einen der großen, Plasma, Gnome, Cinnamon oder Xfce? Oder gefällt euch das Kachelkonzept?

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